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„Zwei Zeichen der Treue Gottes – zu seinem Volk und zu seiner Kirche“ – Vortrag und Diskussion in der Melanchthon-Akademie

„Zwei Zeichen der Treue Gottes – zu seinem Volk und zu seiner Kirche“ lautete die Überschrift des Vortrags von Pfarrer Dr. Volker Haarmann, leitender Dezernent des Dezernats „Theologie“ der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), in der Kölner Melanchthon-Akademie. Von 2011 bis 2017 war Haarmann Landespfarrer für den christlich-jüdischen Dialog.

Haarmann bezog sich mit seinem Vortrag auf den Beschluss der rheinischen Landessynode zur Erneuerung des Verhältnisses zum Judentum im Jahr 1980. Darin heißt es, dass aus Sicht der rheinischen Kirche nach den Schrecken der Shoa „die fortdauernde Existenz des jüdischen Volkes, seine Heimkehr in das Land der Verheißung und auch die Errichtung des Staates Israel Zeichen der Treue Gottes gegenüber seinem Volk sind“. Haarmann begründete, welche Bedeutung in diesem Satz bis heute liege und gegen welche Missverständnisse er abzugrenzen sei. Aussagen über „Zeichen der Treue Gottes“ seien nie per se wahr, sondern könnten immer nur aus der „story“ interpretiert werden, die die entsprechende Perspektive trage. Den Beschluss der Landessynode vor 38 Jahren interpretierte Haarmann als „theologische Wende nach 2000 Jahren Judenfeindschaft“.

Fortdauernde Existenz der Kirchen
Unter Berufung auf Karl Barth fuhr Haarmann dann fort: „Neben den Zeichen der Treue Gottes zu seinem Volk Israel können wir ebenso tastend und doxologisch von Zeichen der Treue Gottes zu seiner Kirche aus allen Völkern sprechen.“ „So ist für uns“, sagte Haarmann, „angesichts ihrer unermesslichen Schuld auch die fortdauernde Existenz der Kirchen als ein ‚Zeichen der Treue Gottes‘ deutbar.“ Und mit Blick auf das Heilige Land sagte er: „Auch die bleibende Präsens von Christinnen und Christen im Land der Bibel kann als Zeichen der Treue Gottes zu seiner Kirche gedeutet werden.“

Keine Alternative zum Frieden
Haarmann schloss mit einem aktuellen Zitat des israelischen Schriftstellers Amos OZ. „Unterstützer einer Zweistaatenlösung haben es gerade nicht einfach, das stimmt. Alle reden von einer Unumkehrbarkeit, ich aber lehne das Wort ab. Alles ist umkehrbar, außer der Tod. Es gibt keine Alternative zum Frieden. Wir werden hier nie verschwinden, und die Palästinenser werden auch hier bleiben. Eine große Familie, das werden wir nicht, also müssen wir das Haus aufteilen in zwei Wohnungen.“

 

 


Text: Stefan Rahmann
Foto(s): Stefan Rahmann

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