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"Rheinische Vielfalt und Kreativität zeichnen unseren Kirchenkreis aus und geben ihm sein unverwechselbares Gesicht. So wie Paulus Kirche beschreibt: Ein Geist und viele Gaben."

Markus Zimmermann


„Offene Gesellschaft“: Drei Pazifistinnen für lebenslanges Engagement geehrt

„Wohl spricht man viel von Freiheit für alle, aber man ist gewöhnt unter dem Wort ‚alle‘ nur die Männer zu verstehen.“ Schon 50 Jahre vor Einführung des Frauenwahlrechts 1918 in Deutschland kritisierte Frauenrechtlerin Louise Dittmer scharf die damaligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Zu ihren Ehren und der ihrer Mitstreiterinnen luden die Melanchthon-Akademie und der Evangelische Kirchenverband Köln und Region am vergangenen Samstag in die Kölner Trinitatiskirche ein. Das Motto: „1918 – 2018: Frauen für Frieden!“

„Sie haben die Wahl!“
„Auch unsere Besucher müssen sich entscheiden und drei aus vier Stationen wählen“, erklärte Pfarrerin Dorothee Schaper, Frauenbeauftragte des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. „Sie können sich künstlerisch einbringen, sich informieren, über Frauen aus der Bibel lernen oder an einer Fragerunde im Speed-Dating-Stil zum Thema ‚Frauenrechte‘ teilnehmen. Tatsächlich wissen die Wenigsten, welches Land das erste und welches das langsamste bei Einführung des Wahlrechtes für die Frauen war. Oder wie viele weibliche Abgeordnete unser Bundestag heute hat.“

Zum Start des Nachmittags stellten Dorothee Schaper, Munise Oguzay und Almuth Voß – stellvertretend als Christin, Muslima und Jüdin – gemeinsam Pazifistinnen vor, die zu ihrer Zeit mit oft lebenslangem Engagement und ohne Rücksicht auf ihre eigene Sicherheit für die Gleichberechtigung der Geschlechter kämpften. Und für den Frieden. Minna Cauer, Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann wurden im Rahmen einer Lesung als herausragende Persönlichkeiten zitiert, denen Frauen heute viel zu verdanken haben. Gleichzeitig waren sie sich einig, dass jegliche Kriegshandlungen beendet werden müssen. „Durch Frauen“, stellte Lida Heymann klar. „Hilfe kann nur von Frauen kommen.“

„Hilfe kann nur von Frauen kommen“
Gemeinsame Ideale und ein ähnliches Kulturverständnis machten es den drei Kämpferinnen des 19. Jahrhunderts möglich, Hand in Hand für eine gerechtere, bessere Gesellschaft einzutreten und sich schließlich durchzusetzen.

Seit 1918 besitzen Frauen in Deutschland das Recht, zu wählen. Am 19. Januar 1919 nahmen sie damit erstmals als Wählerinnen und Gewählte an einer verfassungsgebenden Nationalversammlung teil – ein wichtiger und mühevoll erarbeiteter Meilenstein. Die Sozialdemokratin Marie Juchacz hielt dort als erste Frau eine Rede erklärte: „Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.“ Erst seit 1949 sind Männer und Frauen nach deutscher Gesetzgebung gleichberechtigt.

Suche Frieden
Die Veranstaltung „100 Jahre Frauenwahlrecht“ der Reihe „Offene Gesellschaft“ stand auch im Kontext des Jahresthemas 2018/19 im Evangelischen Kirchenverband Köln und Region: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34, Vers 15) Insbesondere vor dem Hintergrund stärker werdender gesellschaftlicher Ängste vor Überfremdung soll daran erinnert werden, was gelebte Nächstenliebe und der Wille zur Integration bewirken können. Weitere Veranstaltungsthemen auf www.frieden.kirchekoeln.de

Reihe „Offene Gesellschaft – Wie wollen wir in Zukunft in Verschiedenheit zusammenleben?“
„Wir fordern Frieden! – 100 Jahre engagierte Pazifistinnen“ ist nur eines der Themenfelder der Veranstaltungsreihe 2018 „Offene Gesellschaft“. An sechs Samstagen bietet die Trinitatiskirche in der Kölner Innenstadt jeweils von 15 bis 19 Uhr einen offenen Resonanz- und Begegnungsraum. Der Eintritt ist frei, nähere Info sind hier zu finden: www.offene-gesellschaft.kirchekoeln.de. Die nächste Veranstaltung mit dem Titel „Regina und Ina – ein Gespräch zwischen Rabbinerin und Pfarrerin" findet am Samstag, 06. Oktober 2018, von 15 Uhr bis 19 Uhr in der Trinitatiskirche, Filzengraben 4, 50676 Köln statt.

 


Text: Claudia Keller
Foto(s): Claudia Keller

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