Logo des Kirchenkreises


Oberkirchenrätin Barbara Rudolph im Kongo

"Das hat mich tief bewegt!"

Oberkirchenrätin Barbara Rudolph (l.) und Kirchenrätin Anja Vollendorf (r.) werden am Flufhafen in Goma vom Superintendent und Vorsitzenden der Frauengemeinschaft mit Bonbonketten begrüßt.
Oberkirchenrätin Barbara Rudolph (l.) und Kirchenrätin Anja Vollendorf (r.) werden am Flufhafen in Goma vom Superintendent und Vorsitzenden der Frauengemeinschaft mit Bonbonketten begrüßt.

Nicht das Leid, sondern die Überwindung des Leides steht im Mittelpunkt allen Engagements der Baptistischen Kirche im Ostkongo. Das hat Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Leiterin der Abteilung Theologie und Ökumene der Evangelischen Kirche im Rheinland, bei ihrem Kongo-Besuch erfahren. Das bewege sie tief, sagte sie im Interview mit der Evangelischen Kirche im Rheinland, das hier in Auszügen veröffentlicht wird.

Die "Baptistische Kirche im Zentrum Afrikas" (CBCA), so ihr Eigenname, ist seit 1979 im Verbund der Vereinten Evangelischen Mission (VEM). Das Kirchengebiet liegt im Ostkongo, im Grenzgebiet zu Uganda, Ruanda, Burundi und Tansania. Gerade diese Region des Kivu ist instabil und wird immer wieder Schauplatz von blutigen Auseinandersetzungen zwischen der kongolesischen Armee und bewaffneten Gruppen. Viele Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht. Unzählige Frauen und Mädchen wurden Opfer sexueller Gewalt und anderen Menschenrechtsverbrechen. Partnerschaftsbeziehungen bestehen zwischen dem Kirchenkreis Goma und dem Kirchenkreis Saar-West, dem Kirchenkreis Kalungu und dem Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch sowie dem Kirchenkreis Muku und dem Kirchenkreis Altenkirchen.

Wie präsent ist Köln-Rechtsrheinisch in Kalungu?
"Die Spenden des Kirchenkreises Köln-Rechtsrheinisch sind unüberhörbar: Am Ortseingang der kleinen Metropole mitten auf dem Land werden wir vom Superintendenten mit einem Bläserchor empfangen und mit peppiger Choralmusik mitten durch das Dorf und den Wochenmarkt bis zur Superintendentur geleitet. Wenn man wissen will, was Willkommenskultur ist, muss man in den Ostkongo reisen! „Die Instrumente sind vom Kirchenkreis aus Köln gespendet worden. Seit einem Jahr üben die Bläser. 'Es kann noch besser werden, aber es ist ein wunderbarer Anfang', sagt der Superintendent."
Die Delegation wird vom Bläserchor in Kalungu empfangen.
Was bedeutet das gespendete Ultraschallgerät für die Frauen in Kalungu?
"Viel stiller und ruhiger ist es auf der Entbindungsstation im Krankenhaus. Dort steht, ebenfalls vom Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch gespendet, ein Ultraschallgerät zur Untersuchung der werdenden Mütter. '213 Frauen haben wir schon untersuchen können', berichtet der Gynäkologe. Nicht nur die genaue Zahl ist bekannt, sondern auch die vielen Lebensgeschichten von Frauen, die einen Weg in die Entbindungsstation gefunden haben. 'Früher mussten die Frauen 40 Kilometer weiter gehen zu einer Krankenstation. Viele haben es nicht geschafft und auch schwierige Geburten zu Hause gewagt', erinnert sich eine Hebamme. 'Es ist eine so ungeheure Erleichterung!'.
Spontan fällt mir die Weihnachtsgeschichte ein. 'Sie fanden keinen Raum in der Herberge… Und sie gebar ihren ersten Sohn und legte ihn in eine Krippe.' Gott kennt sich aus mit den Nöten von werdenden Müttern. Und der Kirchenkreis aus dem fernen Köln leistet seinen entscheidenden Beitrag."

Gibt es eine Verbindung zwischen der Nähmaschine, dem Ultraschallgerät und der neuen Entbindungsstation?
"Am Ende dieser Solidaritätsreise in ein Land, das sich von der Welt vergessen wähnt, und das durch seine kirchlichen Kontakte die Menschen ermutigt – übrigens gegenseitig – bin ich bewegt und ermutigt zugleich: Die Partnerschaften, die wir gesehen haben, geben einen ungeheuren Halt in einer Zeit, in der es im Kongo kaum noch das Gefühl gibt, von der Weltgemeinschaft wahrgenommen zu werden. Aber wir stärken nicht nur Glauben und Hoffnung der Partner im Kongo. Mich bewegt bis zu dieser Stunde die Phantasie, Kreativität und Flexibilität unserer Partner, wie auch der Mut und das Vertrauen in die Zusagen Gottes. Nicht das Leid an sich, sondern die Überwindung des Leides steht im Mittelpunkt der Kirche. Das hat mich tief bewegt."

Gegenbesuch im September
Im Zeichen der Partnerschaftsbegegnung mit Christinnen und Christen aus Brasilien, dem Kongo und Taiwan steht ein Abendmahlsgottesdienst mit anschließendem gemeinsamen Mittagessenam am Sonntag, 17. September, 11 Uhr, in der Versöhnungskirche, Erlöserkirchstraße 1, auf dem Programm. Der Gottesdienst wird von Pfarrer Dr. Gerhard Wenzel und Pfarrerin Martina Kaiser geleitet. Die Delegationen aus dem Kirchenkreis Burica und dem Kirchenkreis Kalungu sind vom 15. bis zum 17. September in der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Rath-Ostheim zu Gast.


Text: ekir
Foto(s): ekir

Author: pressestelle@kirche-koeln.de